Elefantenkacke

Wie mich Elefantenkacke von Namibia bis nach Berlin verfolgte.

Generell ist es recht unüblich, denke ich, sich mit Elefantenkacke zu beschäftigen. Außer man befindet sich in Namibia, in Damaraland und nimmt an einer Führung des Living Museum teil, in der es unter anderem um die Heilkräfte von Pflanzen geht. Ja, ja. Ein Elefant ist keine Pflanze. 1,0 in Biologie. Das weiß ich. Allerdings ist der Elefant ein Pflanzenfresser. Und anstatt diese ganzen einzelnen Pflanzen zu pflücken, zu zermalmen, mit Wasser anzureichern und einige Zeit gehen zu lassen, könne man auch, so sagte unser Guide, den ganzen Prozess den Elefanten machen lassen. Man müsse dann lediglich die (am besten frischen!) Ausscheidungen einsammeln, ausquetschen und das Wasser trinken. Das ist sehr gesund.

Klingt logisch, denke ich. Challenge accepted, denke ich. Ich könnte damit einen Punkt in unserem internen Team-Wettbewerb sammeln, denke ich. Auch Fabio, mein potentieller Wettbewerbsgegner, hat Grenzen. Ich nicht, zumindest nicht bei sowas. Wenn ich Kakerlaken, Skorpione, Taubenfüße und Vogelspinnen essen kann, dann sicher auch Elefantenkacke. Um den Druck für mich noch zu erhöhen, erzähle ich den anderen von meiner Idee. Ich erzähle es auch dem Guide, Rustan, und bitte ihn, mir zu helfen, „gute Elefantenkacke“ einzusammeln.

Gesagt, getan. Und da GUT hier wirklich großgeschrieben wird und wir sowieso „zufällig“ umherfahren, um mit Glück Wüstenelefanten zu sehen, sammeln wir die frischeste Elefantenkacke ein, die man sich vorstellen kann. Wir sehen ingesamt 2 Elefantenkühe mit jeweils einem Baby. Da es sehr besonders war und ist, diese seltenen Tiere zu sehen, werde ich mal für einige Sätze von ihren Ausscheidungen abweichen. Für mich war es erste Mal, dass ich überhaupt ein Elefantenbaby in freier Wildbahn sah. Und dann gleich zweimal. Sehr besonders. Wir hielten immer genügend Sicherheitsabstand mit unserem Jeep und beobachteten jeweils Mutter und Kind von Weitem. Es war doppelt besonders, da Wüstenelefanten, wie der Name schon sagt, in der Wüste zu Hause sind. Die meisten anderen Elefanten, auch die meisten anderen afrikanischen Elefanten suchen sich eher einen feuchteren Wohnraum und sind vermehrt entlang des Äquatorgürtels, der den afrikanischen Kontinent teilt, zu Hause. Wüstenelefanten haben sich schlaue Tricks ausgedacht, um in dieser trockenen Umgebung zu überleben. Wer sich dazu noch mehr anschauen möchte, hier eine Doku, die ich ganz cool finde.

Aber zurück zum Thema. Elefantenkacke. Die, die wir am Ende einsammelten, stammte von der zweiten Elefantendame und ich packte sie in einen Frischhaltebeutel, um nicht alles im Auto zu verteilen. Am Abend nach dem Essen sollte ich die „Medizin“ dann feierlich zu mir nehmen. Übrigens, Fabio war schon längst raus aus dem Wettbewerb, er ergab sich freiwillig. Der Punkt war mir also schon nahezu sicher. Wir saßen wie jeden Abend gemeinsam an unserem Klapptisch auf unseren vier Campingstühlen, hatten eines unserer drei Lieblings-Namibia-Gerichte à la Rezept von Esther in Windeseile verschlungen und genossen den ersten Schluck unseres namibianischen Lagerbiers. Dann ging es los. Ich machte etwas Platz, stellte einen Becher vor mich, holte die Elefantenkacke aus dem Frischhaltebeutel und quetschte. Ohne Erfolg. Hm. Ich fasste nochmal um und probierte es erneut. Mit aller Kraft. Nichts! Ich denke nochmal an das Video, welches Marwin extra für uns herausgesucht hat. Dort hat irgendein bekannter Typ bei Youtube unter dem Motto Überlebenstipps in der Wildnis ebenfalls Elefantenkacke ausgedrückt und getrunken. Und da entdecken wir den Fehler. Der Typ war in der Savanne, nicht in der Wüste. Wüstenelefantenkacke ist natürlich viel trockener. Da ist kaum Wasser drin. Alles Wasser, was die Elefanten aufnehmen, brauchen sie auch. Mein Wettbewerb mit mir selber schien geplatzt.

Ich hielt immer noch die Elefantenkacke in der Hand, schaute mein Lagerbier an und begann die Wettbewerbsregeln neu zu diskutieren. Das ging schnell. Mein erster Vorschlag, die Elefantenkacke mit etwas Bier zu mischen, kam gut an. Ich denke, meine lieben ReisebegleiterInnen wollten einfach nur ZU gerne sehen, ob ich das wirklich mache. Und das tat ich. Das Gemisch stand vor mir, es roch nach Bauernhof und ich setzte an. In 2 Schlücken war es weg. Das Lebenselixier in mir, fühlte ich mich unsterblich. Es gab ein High-Five von jedem und der Rest des Biers wurde getrunken. Auf den Erfolg folgte noch ein Savanna, wir einigten uns, dass wir den Abwasch morgen machen und ab ging es ins Bett für alle. Das anhaltende Triumphgefühl in mir wurde kurz unterbrochen, als wir alle Zähneputzen waren und plötzlich unser Autoalarm anging. Aber auch da sind wir lebend raus gekommen und wenige Minuten später konnten wir wieder die Ruhe der Nacht mit den altbekannten Lauten des schnarchenden Marwin genießen 🙂

5 Wochen später, in Berlin, sollte ich an diesen Tag in Namibia zurückerinnert werden. Meine Nase war daran schuld. Obwohl mein Geruchssinn echt richtig mies ist, hiervor konnte er mich nicht schützen. Wie schon lange vorgenommen, sollte heute der Tag sein, an dem ich mal wieder meine Haare etwas dunkler färbe. Seit ich denken konnten, machte ich das ab und an selbst im Bad vor dem Spiegel. Dieses Mal, weil ich ja „ach so naturverbunden“ bin und eher recht als echt Plastik und Chemie in meinem Alltag minimiere, entschied ich mich im DM nicht für die chemische Variante, sondern für die so genannte Pflanzenhaarfarbe. Zu Hause packte ich alles aus. Das grüne Pulver war geruchlos. Man musste es selbst mit heißem Wasser anmischen und sollte es dann im Haar verteilen. Nicht viel anders als sonst. Bis jetzt. Nach dem Mischvorgang kamen mir Bilder von jenem Abend in Namibia in den Kopf, in denen ich an der Elefantenkacke roch. So roch die Paste, die ich mir gleich in die Haare einmassieren wollte. Aufgrund der positiven Elefantenkacke-Erfahrung und weil ich mir weiterhin einredete, dass es nach „Bauernhof“ riecht und Bauernhöfe ja etwas Schönes waren, zuckte ich mit den Schultern und begann mit der Prozedur. Spätestens nach 15 Sekunden ärgerte ich mich, dass ich überhaupt begonnen hatte. Das Verteilen in meinen Haaren war nahezu unmöglich, der komplette Boden und das Waschbecken besprenkelt mit braunen Kackebrocken und der Geruch ging natürlich auch nicht weg. Ich zog es durch, schmierte alles irgendwie in meine Haare, mit dem Wissen, dass vermutlich überall zwischendrin helle Stellen sein werden und wusch alles nach 30 Minuten Einwirkzeit aus. So sitze ich nun, 1 Stunde später, vor meinem Laptop, tippe diese Zeilen und bin umgeben von eklig riechenden Haaren. Wer längere Haare hat und nach einem Lagerfeuer-Abend am nächsten Morgen aufgewacht ist, weiß, was ich meine. Nur ekliger 🙂

Dennoch, das Haarfärbeabenteuer veranlasste mich die Elefantenkackestory aus Namibia mit euch zu teilen, mich gedanklich zurückzubeamen zu dieser wundervollen Reise und – tatsächlich – habe ich jetzt dunklere Haare.

Mission erfüllt. Und euch hoffentlich zum Schmunzeln gebracht.

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