Zuvor wusste ich von Namibia, dass es sehr dünn bevölkert ist und einen großen Artenreichtum hat.
Ich wusste auch, dass es ein Land mit einer furchtbaren kolonialen Geschichte im Zusammenhang mit Deutschland ist. Alles hat sich bestätigt. Vom ersten bis zum letzten Tag unserer Reise durch Namibia las ich in den Abend- oder Morgenstunden ein Buch, welches Anfang des 20. Jahrhunderts in Namibia spielt und Einblicke in die Kolonialzeit gibt. Dadurch wurde ich erinnert, was dahinter steckt, dass die schwarze Bevölkerung am Stadtrand in ärmeren Vierteln lebt, dass es Weißen-Viertel in der Hauptstadt gibt, dass viel-besuchte, teure Lodges Weißen gehören und das Personal schwarz ist. Es ist gut daran erinnert zu werden und den Aufenthalt vor Ort dadurch auch aufmerksamer wahrzunehmen. Ist ja auch noch nicht allzu lange her, wenn ich bedenke, dass meine Uroma zu dieser Zeit geboren ist. Ich bin noch nicht fertig mit dem Buch und möchte auch noch einige Hintergrundinformationen recherchieren, bevor ich einen Text zu diesem Thema verfasse. Deshalb erwarten dich heute weitere Facetten von Namibia, Erlebnisse und Erkenntnisse sowie Orte und Gespräche. Also nimm dir ein paar Minuten Zeit und tauche ein in ein neues afrikanisches Land, welches den anderen, von mir Besuchten, sehr verschieden ist.
Es ist leer am Flughafen in Windhuk. Es ist ruhig. Keine Scharr von Menschen hupt und bietet eine Fahrt mit dem Taxi an. Niemand versucht Sim-Karten, Kaugummis oder Wasser zu verkaufen. Es riecht nicht nach Abgasen. Wir fahren zur Autovermietung, danach zum Spar, kaufen dort völlig planlos für eine Woche Lebensmittel ein. Es gibt Berliner Landbrot. Bin ich wirklich in Afrika? Offensichtlich bin ich das und mir ist schon längst bewusst, dass Afrika nicht gleich Afrika ist. Aber so ruhig und leer wurde ich noch von keinem afrikanischen Land begrüßt. Ok, so lerne ich auch noch etwas dazu, zucke mit den Schultern und lasse mich auf eine Reise mit meinen 3 lieben Freund*innen ein.
Wir werden die folgenden 3 Wochen in einem Auto mit 2 Dachzelten verbringen. Es ist unser Schlafzimmer, Wohnzimmer, Auto und Küche. Unser zu Hause. Wir werden alle 4 unsere alltäglichen Dinge so im Auto platzieren, dass es von außen wie Chaos aussieht, aus unserer Sicht allerdings alles ein System hat. Dieser Jeep ist unser Mikrokosmos. Wir ziehen uns dahin zurück mit einem (oder mehreren) Bier, wenn es regnet, es bringt uns 1000e Kilometer weit durchs Land, es schützt uns (vermeintlich) vor wilden Tieren, die wir durch die Fensterscheiben beobachten, es lässt mich zu einer angehenden Automechanikerin werden und es meckert nicht, wenn wir lauthals „Over the rainbow“ mitsingen.
Wir haben bereits eine Reiseroute, was uns gar nicht ähnlich sieht. Aber warum auch immer, war dies verpflichtend für die Einreise. Hatte irgendwas mit Corona zu tun. So hatte Marwin auf einer Karte und als Liste, viermal ausgedruckt, diese Reiseroute für uns vorbereitet. Und siehe da, niemand wollte sie sehen. Und wir haben sie bereits nach Tag 1 angepasst, haha. So brachte uns die erste längere Autofahrt, an die ich mich nach der durchzechten Silvester-Nacht im Flugzeug, kaum erinnere, in die berühmte Kalahari Wüste. Warum sie berühmt ist, weiß ich auch nicht. Auch eine ausgedehnte Recherche, die mich auf der ersten Seite ganz oben bei Google auf Wikipedia brachte, konnte meine Frage nicht beantworten. Hm, viel Mühe zahlt sich wohl doch nicht aus 🙂 So fuhren wir also von der Hauptstadt Windhuk aus Richtung Südosten, um dann im Uhrzeigersinn einen Kreis rundum Windhuk zu bereisen. Wir blieben überall 1-2 Nächte auf Campingplätzen, mit oder ohne Strom, mit oder ohne Trinkwasser, mit privaten oder öffentlichen Toiletten. So kam es auch, dass wir eigentlich fast die erste Woche keiner weiteren Person begegnet sind. Zwecks unserer selbstauferlegten Quarantäne natürlich sehr praktisch. Dennoch verwirrend. Nachdem wir tagelang durch ewig weite Landschaften, sich ständig verändernde Wüsten-Formationen, Regen und Sonne entlang auf einer geteerten, schnurgeraden, langen Straße fuhren, fragte ich mich: Wo sind die Menschen? Wo und wie leben sie? Ich wurde später eines besseren belehrt. Natürlich macht es viel mehr Sinn, in einem Land, welches zum Teil aus Trockensavanne und Wüste und zum anderen Teil aus Feuchtsavanne besteht, in fruchtbareren Gebieten zu leben. Und die sollten sich im Norden des Landes befinden. Oder natürlich an der Küste, mit Meer, Handelsmöglichkeiten, Fischfang usw. Mir fiel auf, entgegen anderen afrikanischen Ländern, dass die Häuser, in denen Namibianer lebten, eine ganz andere Bauweise hatten. Sie waren meist viereckig, nicht rund, aus Blech oder Zement, anstatt Lehm und eher kreuz und quer verteilt, als in einem Kreis zueinander stehend angeordnet. Warum erzähle ich das eigentlich? Ich denke, um zu zeigen, dass das Klischee der runden Lehmhütte nicht auf alle Länder und Orte in Afrika zutrifft.
Wie schon beschrieben, gibt es neben Wüste noch viel mehr in Namibia. So fuhren wir eines Morgens an den Dünen los und kamen am Nachmittag am Meer an, wo sich wildlebende Flamingos zu tausenden herumtummelten. Oder wie Marwin es formulieren würde: „langweilige Vögel, die auf einem Bein herumstehen“. Tatsächlich, habe ich keinen einzigen Flamingo auf einem Bein stehen sehen. Und tatsächlich fand auch Marwin diese schönen Vögel nicht langweilig. Wer hätte es gedacht. Oder einen anderen Tag fuhren wir in der Trockensavanne los und kamen abends an saftig grünen Weinbergen an. Dort gab es, welch Überraschung, sehr viel Wein. Und viel Essen. Und viel Wein! Überall wo wir in den ersten Wochen hinkamen, regnete es. In der Namib-Wüste, nahe Soussouvlei, sagten sie uns voller Freude und großen Augen, es habe hier seit 11 Jahre nicht geregnet. Unsere (eigentlich nicht ganz so große) Freude über Regen statt Sonne versuchten wir uns gegenseitig einzureden. Schließlich ist es gut für Natur, Tiere und Menschen und so. Außerdem hofften wir auf eine Ernennung zu Regenbringern durch den Premierminister. Leider reisten wir zu früh ab, um unsere Auszeichnung entgegenzunehmen.
Wenn wir neben Flamingos auch Menschen begegneten, fiel uns auf, dass Corona in Namibia ganz andere Folgen hatte, wie in Deutschland. Die Zahlen waren nicht sehr hoch, das Land ist riesig und hat eine geringe Bevölkerungsdichte. Allerdings hatten die Reiserestriktionen, zum Beispiel aus Deutschland, einen sehr großen Einfluss auf die Tourismusbranche in Namibia. Ich begegnete niemandem, der nach Geld fragte, aber viele, die nach Mehl, Zucker oder Wasser fragten. Ein weiteres Mal in meinem Leben, dass ich mir in dem Jeep sitzend, hinten vollgepackt mit Essen, Wein, Bier und einem großen Rucksack voll mit Kleidung priviligiert und schäbig vorkam. So kaufen wir an jedem Supermarkt zusätzliche Lebensmittel, die wir auf dem Weg oder vor dem Supermarkt den Menschen gaben, die uns danach fragten. Ich hoffe, dass dieser Einbruch der Branche und die damit vergrößerte Arbeitslosigkeit nicht mehr so lange anhält. Und natürlich relativiert sich durch solche Erfahrungen das Gefühl von Genervtheit gegenüber geschlossenen Clubs oder der Maske, die man tragen muss. Existenzbedrohend war Corona für mich noch nicht und sehr wahrscheinlich wird es auch nicht dazu kommen. Dankbarkeit heißt das Stichwort. Und zum ersten Mal bin ich allen Heiner’s und Helga’s in beigen Jack Wolfskin Hosen und Safari-Hut dankbar, die nicht solche Sparfüchse wie wir sind, sondern großzügig in Namibia Geld für alles Mögliche ausgeben und alle angebotenen Aktivitäten mitmachen, die es so gibt. Wer durch die Texte vielleicht inspiriert ist, nach Namibia zu reisen, darf sich sehr gern an mich wenden. Ich kann euch sehr gerne eine Freundin empfehlen, die vor Ort alle Arten von Reisen, ob individuell, in der Gruppe, abenteuerlich oder entspannend, für euch zusammenstellen kann. Mit dieser gewissen Freundin haben wir ebenfalls einige schöne Tage verbracht. Sie ist die Freundin von Esther, die uns zuerst überhaupt auf die Idee brachte, nach Namibia zu reisen. So wie ich es meist tue, ist es oft eine schönere Erfahrung, in ein Land zu reisen, in dem jemand lebt, den man kennt. Unter anderem hatten wir dadurch auch die Möglichkeit richtig echte Eindrücke in das Leben von Namibianer*innen in Windhuk zu erhalten. Eine sehr wertvolle Erfahrung für mich.
Mit diesen wertvollen Erfahrungen bin ich gedanklich schon am Ende unserer Reise angekommen. Diese verbrachten wir noch ein paar Tage in Windhuk, zusammen mit besagter Freundin und ihrer Tochter. Wir spielten so viel, wie das ganze Jahr nicht. Ich erinnerte mich, dass Verstecken spielen schon früher mein Lieblingsspiel war. Wir krümmten uns vor Lachen, als Marwin das Wort „Elefantenparade“ pantomimisch darstellte. Und ich bin jetzt schon voller Vorfreude, wenn ich an meinen nächsten Besuch in einem Trampolinpark denke.
In diesem Sinne: Macht die Musik laut an und springt was das Zeug hält!









