Ob mit Zug, Bus, TukTuk oder 100 Jahre altem Schaufelraddampfer – Reisen in Bangladesch ist schön, abenteuerlich und man kommt immer ans Ziel.
Ein gestriges Treffen hat mich inspiriert, noch weitere Erfahrungen meiner letzten größeren Reise mich euch zu teilen. Im Februar waren Marwin, Esther und ich in Bangladesch. Meine Gesprächspartnerin mit Wurzeln in Bangladesch war mit Freude überrascht, dass ich mit sehr positiven Emotionen diese Reise beschrieb. Sie sagte, viele wissen gar nichts über Bangladesch, nicht mal, dass es ein Land ist. Dann überlegten wir lange und kamen zum Schluss, dass vermutlich die eingestürzte Textilfabrik in Dhaka in 2013 die Information ist, die die meisten in Deutschland mitbekommen hatten und mit Bangladesch verbinden. Das Schildchen “Made in Bangladesch” ist einigen danach sicher auch mal in die Hände gefallen, beim Waschen eines T-Shirts oder Jeans, und mit dem Vorfall kombiniert worden.
Bangladesch ist also vermutlich eher den wenigstens als sehenswertes Reiseland bekannt, sondern vermehrt mit keinen oder negativen Nachrichten-Überschrift assoziiert. Unser Medienlandschaft ist leider nicht dafür bekannt, extrem viele positive und diverse Nachrichten aus Ländern des globalen Südens zu berichten. Weshalb ich ja nun auch diese Platform gegründet habe, um da ein bisschen aufzumischen 🙂
In meinen letzten Texten habe ich mir die vermeidliche Herkunft Moglis ein bisschen näher angeschaut und beschrieben, wie ich erst 1000 Kilometer reisten musste, um endlich zu checken, dass grüner und schwarzer Tee von der selben Pflanze stammt. Super Theresia. Aber es gibt noch mehr zu erzählen: Gemäß dem Motto von Konfuzius „Der Weg ist das Ziel“ werde ich ein bisschen über Wege schreiben.
Wie viele von euch sicher schon selbst erlebt haben, speisen sich die spannendsten, lustigsten und abenteuerlichsten Geschichten aus Hindernissen, um von A nach B zu kommen. Man saß dann doch im falschen Bus, zahlte den hundertfachen Preis, hatte eine Ziege als Sitznachbarn, fand einen eingestaubtes Bahngleis vor oder eine Fähre, die schon seit 2 Jahren nicht mehr operierte. So speise auch ich heute euren Lesestoff mit Wegen von A nach B in Bangladesch. Ich habe die lustigen, coolsten und nervigsten Wege herausgesucht und präsentiere euch hier Top 3 aus Best of „Reisen durch Bangladesch“. Viel Spaß!
- Die Omi in meinen Armen
Die Omi in meinen Armen-Geschichte spielte sich während einer 3-stündigen Busfahrt ab. Wir ließen unsere 2. Station im Ganges-Delta hinter uns und waren wieder auf dem Weg in die Hauptstadt, nach Dhaka. Es gab verschiedene Stopps, mehrere Busse, ein Boot, und ein Tuktuk. Der sogenannten “Omi” begegneten wir in Bus Nummer 2. Esther und ich saßen in der ersten Reihe, zunächst. Später sollte sich herausstellen, dass nicht die Sitze ganz vorne erste Reihe bedeuteten, sondern dass man auch die Ablage zwischen Fahrer, Beifahrer und erster Sitzreise als die eigentliche erste Sitzreihe benutzen könnte und dass zusätzliche diverse Stehplätze dazwischen zu vergeben seien. Wer mag schon Luft? Nun saßen wir also in der vermeidlichen ersten Sitzreihe und bald gesellte sich eine sehr alte Frau zu uns. Sie sah sehr gebrechlich aus, war 1,40m groß und war in diverse Tücher gewickelt. Ich wollte ihr meinen Platz anbieten, aber der Typ, der hier wohl der offizielle Sitzplatzzuweiser im Bus zu sein schien, empfand das als gar nicht nötig und setzte die nahezu in sich zusammenfallende alte Frau mir gegenüber auf die Ablage. Festhalten war da nicht, eine Lehne gab es selbstverständlich auch nicht. In jeder Kurve also sah ich die Omi bereits an der gegenüberliegenden Scheibe kleben. Ich weiß nicht mehr warum, aber irgendwann wurde die Omi vom Sitzplatzzuweiser umgesetzt, neben mich. Und von dem Zeitpunkt an wurden wir innige Freunde – beschloss zumindest die Omi, indem sie ihre rechte Hand auf mein linkes Bein und meinen linken Arm um sich herum legte, damit wir sie gemeinsam bei jeder Kurve vor dem Fallen bewahren konnten. So kuschelten wir also, konnten aber sonst gar keinen Kontakt miteinander aufnehmen, da ihr Rücken so krum war, dass sich ihr Kopf quasi bei mir in Kniehöhe befand. Aber keine Sorge, es gab keine Gefahr einer Gehirnerschütterung bei starken Unebenheiten auf der Straße, da ihre Hand ja sowieso mein Knie umschloss und ich sehr sicher war, dass auch dies taktisch klug gewählt war, um Knie und Kopf nicht in Berührung kommen zu lassen. Ich versuchte immer mal ein Gespräch zu beginnen, um mich von meinem steifen Arm und zwickendem Rücken abzulenken, aber keine Chance. Ich nix Bangla, sie nix Englisch. Nun denn, Liebe geht wohl auch ohne Worte und so kuschelten wir bis zur Endstation und verabschiedeten uns auf tragische Weise – gar nicht. Schwupp – sie war weg, wir waren weg. Kein Abschiedsblick von Omi. Möge es ihr heute immer noch gut gehen und sie weiteren Kuschelpartnern auf ihren Busreisen begegnen.
- Eine Fahrt mit einem 100 Jahre alten Schaufelraddampfer
Im bekannten, allwissenden Internet hieß es in dem einzigen Blog, den ich zum Reisen in Bangladesch fand, dass man mit einem 100 Jahre alten Schaufelraddampfer den Brahmaputra Fluss entlang fahren kann, um dann in dem Sundarban Nationalpark anzukommen, wo sich die seltenen bengalischen Tiger aufhalten. Gesagt, getan. Nicht so ganz. Der Schaufelraddampfer, der tatsächlich immer noch den Fluss rauf und runter fährt, hat in seinem hohen Alter eben auch bisschen seine Aktivität heruntergefahren und kursiert nun nur noch 1 Mal pro Woche. Mittwoch morgen geht es immer los. Als wir diese Information erhalten, ist es Sonntag. Nun, wir wollen eigentlich am nächsten Tag starten und entschließen uns, einfach mal zum Hafen zu gehen und dort zu schauen, ggf. können wir an einer anderen Stelle auf den alten Dampfer aufspringen, der Flusslauf ist ja lang. Eine komplette Fahrt von Dhaka dauert 28 Stunden. Im Hafen liegen ewig viele große Schiffe, die Fracht und Passagiere transportieren, es gibt Stehplätze und Kabinen, aber auch eine Art Gemeinschaftszimmer, in dem man auf vielen gepolsterten Bänken vor und hinter anderen Menschen Platz nehmen und ggf. Schlaf finden kann. Wir laufen auf und ab, fragen an jedem der 20 Schiffe nach unserer Wunschdestination, aber niemand bejaht, außerdem wollen wir gerne in einer Kabine zu dritt schlafen. Unsere Tarn-Beziehung Vater mit zwei Töchtern ist auch hier wieder unser Alibi.
So begehen wir jedes Schiff, einer von uns läuft mit einem Typen nach oben, schaut sich eine exemplarische Kabine an, fragt nach dem Preis, fragt nach einem Zimmer für drei, es wird verneint, wir verabschieden uns freundlich und gehen zum nächsten. Ungelogen, das 20. Schiff hat einen Platz und fährt nach Barishal, in 5 Stunden, mit einer 2er-Kabine, die wir zu dritt nutzen können. Großartig! Wir nutzen die Wartezeit und schauen uns ein rosanes alten Schloss an (dazu könnte ich später auch mal einen Text schreiben), essen irgendwas scharfes und finden uns vor Einbruch der Dunkelheit wieder am Schiff ein. Es wird erst Stunden später auslaufen, aber wir haben ja eine Kabine, 2 Stühle davor und ein Schiff, was wir begutachten können. Besser also als irgendwo sinnlos am Straßenrand mit drei Rucksäcken herumzusitzen. Die ersehnte Raddampferfahrt noch in weiter Ferne, schlafen wir alle drei mehr oder weniger gut und steigen morgens um 5 in Barishal aus, wo wir den Empfangstypen eines Hotels wecken und ein ziemlichen süffiges Zimmer bekommen, aber mit eigenem Bad, heißem Wasser und 3 Schlafmöglichkeiten, also alles was wir brauchen.
Donnerstag wartet dann der große Tag auf uns – im Morgengrauen schleppen wir uns unter die Dusche und aus dem Bett und daddeln zum Hafen. Wir kaufen 3 Tickets und warten bis der Dampfer anlegt. Eine Nacht ist er schon durchgefahren, von Dhaka nach Barishal und nun soll er unser Gefährt für die nächsten 7 Stunden sein. Da wir keine Nachtfahrt haben, nehmen wir ganz normale „Stehtickets“, steigen ein und finden einen gemütlichen Platz im Zwischen-Deck mit Bodenheizung. Eine Etage drunter kann man den offenen Motor sehen und riechen, der diese Wärme erzeugt. Wir tun es allen anderen gleich und breiten unsere Tücher auf dem Boden auf, um unseren Quadratmeter Sitzplatz zu markieren. Ich setze mich und bin im siebten Himmel, die Stimmung ist faszinierend. Die Sonne geht auf, es fallen einzelne Lichtstrahlen in das Zwischendeck, von irgendwo dudelt arabisch klingende Musik, ein paar Kinder laufen umher, es riecht nach schwarzem Tee mit Milch, der 1 Meter neben uns von einem kleinen Kiosk verkauft wird und jede Person in meiner Umgebung strotzt vor Güte und Geduld, schaut verträumt hinaus auf den Fluss, schläft oder genießt ein paar Nüsse und Tee. Das ist einer der schönsten Momente für mich auf unserer Reise in Bangladesch und kein Foto kann so einen Moment jemals auffangen.
- Bangladesch ist Zugfahrland
Da ich mit zwei zugverliebten Mitreisenden unterwegs war, war natürlich klar – wir müssen auch in Bangladesch mindestens einmal mit dem Zug fahren. Insgesamt fuhren wir 4 mal mit dem Zug, leider immer ohne Erfolg auf eine Schlafkabine, aber kamen jedes Mal schnell und pünktlich an unser Ziel. Da kann sich die Deutsche Bahn noch etwas abgucken. Am schwierigsten war tatsächlich die Buchung von Tickets. Das ging nämlich, auch total hightech, per App. Allerdings nur für Personen mit einem Ausweis aus Bangladesch, den man dann am Schalter einmal verifizieren musste. Bei diesem Prozedere versuchten uns diverse Bangladeschis zu unterstützen, wir fegten von Schalter A zu Schalter Z und wurden wieder zu Schalter A geschickt. Irgendwann war es uns auch zu blöd immer zu fünft (wir hatten noch 2 Reisende kennengelernt, die den gleichen Versuch starten wollten) allen anderen hinterher zu dackeln. So warteten Esther und ich meistens irgendwo am Rand, lächelten für Fotos und sagten woher wir kamen, woraufhin sehr viel Raunen, Freude, Lachen und Ausrufe wie „Franz Beckenbauer“ folgten. Es war sicher witzig dieses Schauspiel von außen zu beobachten. Die Zugfahrten waren sehr unterschiedlich – oft zu kalt, weil Klimaanlage, einmal unangenehm weil sehr viele Männer sehr eng um uns herum standen und starrten, einmal sehr entspannt mit wundervoller Landschaft, viel Platz und schöner Atmosphäre und einmal überraschend, weil ein Buchverkäufer in den Zügen auf und ab lief und sogar ein Buchen verkaufte, was uns sogar bekannt war. Marwin hatte es sogar auf dem ebook dabei, nämlich von Yunus, dem bekannten Friedensnobelpreisträger aus Bangladesch. Rundum kann man sagen, dass es empfehlenswert ist, eine Woche vorher Tickets zu kaufen und für lange Zugfahrten eine Schlafkabine zu sichern, dass es gut ist, etwas Warmes zum Anziehen dabei zu haben und dass es hilfreich ist, wenn man die verschiedenen Zug- und Abteiltypen kennt und genau weiß, wie man es schaffen kann, ohne Klimaanlage und mit bequemen, einzelnen Sitzen zu reisen.
Bei uns beruhte alles auf Zufall, was immer wieder spannend ist, ich aber beim nächsten Mal bei Zugfahrten versuchen würde zu vermeiden. Ist ja dann doch am schönsten, wenn man entspannen kann und gut gelaunt am Reiseziel ankommt.














