Bevor ich im Sudan war, wusste ich über den Sudan, dass dort arabisch gesprochen wird, in Teilen des Landes Bürgerkrieg herrscht und die Hauptstadt Khartoum heißt.
Heute ist Sudan aus den 5 afrikanischen Ländern, in denen ich bisher war, mein Liebstes. Obwohl in der Zeit, in der ich dort war, noch die Gesellschaft unterdrückende, freiheitsberaubende Diktatur herrschte.
Wie? In einem solchen politischen System habe ich mich so pudelwohl gefühlt, dass es mein liebstes Land geworden ist? Habe ich 7 Monate lang geschlafen? Oder war auf Drogen? Nein, natürlich nicht. Ich habe ziemlich normal mit meinen Kolleginnen in einem gemeinsamen Haus gewohnt, ziemlich normal 5 Tage die Woche in einem Büro gearbeitet, ziemlich normal viel am Laptop vor Excel-Tabellen gesessen und ziemlich normal alle paar Wochen Ausflüge gemacht. Und das im überhaupt-nicht-weltbewegenden Al Gedaref. Für mich war es weltbewegend, denn die Zeit dort gehört zu einem Puzzle aus meinem Leben.
Aber nun genug der Schwafelei. Wie ich sogar einem eigenen Blog gewidmet habe, sind Sudanesinnen (ja, ich verallgemeinere hier mit gutem Gewissen) die gastfreundlichsten und herzlichsten Menschen, denen ich je begegnet bin. Außerdem besticht der Sudan mit seiner landschaftlichen Vielfalt, die sicherlich auch durch die Größe des Landes bedingt ist. Von 1001 Nacht über Duschungelbuch bishin zu Arielle – hat Sudan alles zu bieten. Der Norden, fast ganzjährig heiß und trocken, durchzogen von Sanddühnen, beherbergt noch viele Relikte der uralten nubischen Hochkultur, dem Kusch Königreich. Es reihen sich Pyramiden und Hieroglyphen aneinander, für die heute eher Ägypten international bekannt ist. Der Südosten Sudans ist Lebensraum und Reiseroute für die halbe König der Löwen Familie, die gemäß der Regen- und Trockenzeiten ihren alljährlichen Spaziergang durch Ostafrika unternehmen. Und wegen kolonialer Machtverhältnisse wurde Sudan im Nordosten ein Meereszugang zuteil, der wegen internationaler Unbeliebtheit des Landes jedes Taucher- und Schnorchlerherz höher schlagen lässt. Apropo Kolonialismus, auch bei diesem Thema ist Sudan ein Land, welches fälschlicherweise unter den Tisch gekehrt wurde. Zum Beispiel wurde im Sudan als erstes Land auf dem afrikanischen Kontinent 1956 die Unabhängigkeit ausgerufen.
Seit August 2021 bin ich zurück im Sudan, sodass wieder neue, Live-Dokumentationen von dem Leben hier folgen werden.
Darüber und über vieles mehr könnt ihr in meinen Texten nachlesen:
Seit August 2022 arbeite ich an einem englisch-sprachigen Projekt, welches sudanesische Unternehmen unterstützen soll. Es ist eine Serie von Artikeln, die eine Brücke bilden soll, von Neuankömmlingen beider Seiten – SudanesInnen, die ein neues, cooles Produkt auf den Markt gebracht haben, genauso wie Zugezogene, die noch nicht wissen, wo sie was in Khartoum finden können. Wenn ihr Menschen kennt, die davon profitieren können, freue ich mich, wenn ihr meine Artikel so weit die möglich streut.
