Wo kommt eigentlich Mogli her?

Februar 2020

Wo kommt eigentlich Mogli her?

Diese Frage kursierte den ein oder anderen Abend, als wir am Rande des Sundarbaan Nationalparks im Süden von Bangladesch saßen.

Gleichzeitig waren wir uns einig: Mogli ist eigentlich ein Mädchen! Denn, alle Mädchen rund um Monglar sahen dem Mogli, den wir aus Büchern, Zeichtrickfilmen und Disney-Verfilmungen kennen, bestechend ähnlich. Ein weiteres Indiz sprach dafür, dass sich einige Dschungelbuch-Inspirationen auf die Sundarbaans zurückführen ließen – der bengaldische Tiger. Spoiler vorab: nein, wir haben keinen gesehen (dachte sie leise in sich hinein weinend)! In dem Sundarbaan Nationalpark, der sich in Bangladesch über eine Fläche von 6000 km² erstreckt und dann fast nochmal so groß in Indien weitergeht, leben etwas mehr als 100 bengalische Tiger. Sie sind vom Aussterben bedroht, aber es gibt gute Nachrichten: die Population steigt. Shirkan (wird der so geschrieben?) hat also durchaus noch ein paar Familienmitglieder, die nur zu gern (vermutlich) auch einige Moglis schnappen würden. Wir haben nämlich auch gelernt: die bengalischen Tiger essen gerne Menschenfleisch. Sicherlich gehört der Mensch nicht schon immer zu der Speisekarte der Großkatzen, aber zumindest heute ist das an den Rändern des Nationalparks bestätigt und es gibt auch ein paar plausible Gründe dafür. Die Besitzer unserer sogenannten Eco-Lodge (Gol Kanon Eco Lodge), die ich eher als “ökologisch – nachhaltige Bungalows” gezeichnen würde, klärten uns auf. Denn, sie waren gleichzeitig auch Bootfahrer und Guides im Nationalpark (man muss wohl breit aufgestellt sein heutzutage) und kannten sich demnach auch in Tier- und Pflanzenkunde aus. Ich erinnere mich an drei mögliche Ursachen für die Vorliebe für Menschenfleisch, die ich persönlich für total plausibel halte und froh bin, darüber erst NACH der Boots- und Walking-Tour im Nationalpark informiert worden zu sein :-D.

Zum einen gibt es in Bangladesch extrem viele Monsune, also Starkregen, und Überschwemmungen. Bangladesch liegt ziemlich tief, wohl nicht viel höher als Meeresspiegel und es ist deshalb vermutlich auch durchzogen mit Flüssen, Kanälen und Seen. Der Nationalpark besonders, nicht umsonst ist er bekannt für die vielen Mangroven, von denen er durchzogen ist. Der Sundarbaan Nationalpark wird außerdem von einem riesigen Fluss-Delta durchzogen, dem Gangesdelta. Ja, richtig gehört: Ganges. Der Ganges-Fluss ist eher bekannt aus Indien. Aber, was viele vermutlich nicht wissen, wird der Ganges gespeist oder mündet (das weiß ich leider nicht) in dem Ganges-Delta in Bangladesch im Sundarbaan Nationalpark. Genau da saßen wir also, in Monglar, und philosophieren über die Essensvorlieben von Tigern. Durch eben diese Überschwemmungen, die es mehrmals im Jahr gibt, sterben auch Menschen und werden durch den Fluss mitgeschwemmt, in die Tiefen des Nationalparks.

Eine weitere Ursache für regelmäßigen Tiger-Menschen Kontakt mit HappyEnd könnte sein, dass sich viele Menschen ungeschützt im Nationalpark aufhalten. Es gibt viele Fischer und Honigsammler, die illegal mit einem kleinen Holzboot in die Kanäle fahren. Diese Menschen sind natürlich gefundenes Fressen, viel langsamer als eine Antilope, könnte sich der Tiger denken. Und das tut er/sie wohl auch einige Male im Jahr.

Ein dritter Grund, den uns die Guides nennen, ist die Anektion von Lebensraum. Wie überall auf der Welt nimmt der Mensch immer mehr Raum ein. 6000 km² klingt viel, aber auch dieser Raum ist nicht schon immer geschützt. Bis vor einigen Jahren und vermutlich auch heute noch, jagen Menschen die Tiger. Die Fläche, in der die Tiger früher natürlich leben konnten, wurde kleiner und kleiner, denn Siedlungen entstanden. Umso besser, dass heute der Nationalpark und die Tiger unter Natur- und Artenschutz stehen und sich die Fläche wenigstens nicht weiter verkleinert. Die steigenden Zahlen der Population zeigen, dass die Rechnung vermutlich aufgeht.

Nun denn, einen der 100 Tiger haben wir also nicht zu Gesicht bekommen, unser Besuch in Monglar hat sich aber gelohnt. Die Bootstour im Nationalpark war friedlich und interessant: tierisch war eine große Eule, die am Flussufer saß, das Highlight. Wir haben außerdem den Austausch mit unseren Gastgebern genossen – wir tauschten uns in Sachen Yoga-Übungen aus, besuchten ein paar der Nachbarn, lernten, wie man Reis erntet und trocknet, kreierten einen neuen Gin-Mix (mit Kokoswasser) und schlemmten die leckersten und frischesten Speisen inklusiver Skampies und Garnelen, die direkt nebenan in Krabben-Farmen gezüchtet wurden und durch internationalen Verkauf Geld für die Region einbrachten. Außerdem habe ich noch das Beste an dem ganzen Ausflug vergessen – die Hinfahrt mit dem 100 Jahre alten Schaufelraddampfer. Aber dazu mehr in einem anderen Blog.

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