März 2018
Ab ans Meer! Port Sudan ist ein kleines, feines Städtchen, welches Sudan den Meerzugang sichert und deshalb eine sehr wichtige Handelsstadt und Verbindung zur Außenwelt darstellt.
Port Sudan ist der erste Ort, außer der Hauptstadt, den ich mit Sudan in Verbindung brachte. Als ich meinen ehemaligen Kollegen in Berlin erzählte, ich hätte mich im Sudan beworben, meinte Christian: ‘Du musst unbedingt nach Port Sudan! The Place to be für Taucher und Schnorchler.’ Also war klar, Port Sudan steht auf der Liste! Da mein Wohnort Gedaref nicht gerade der Nabel der Welt ist, ist die Anbindung an andere Orte auch eher mittelmäßig. Nach Port Sudan ist die 11-stündige Busfahrt die einzige Möglichkeit, wenn man nicht gerade einen Privatjet besitzt. Also machte sich eines Tages eine kleine abenteuerliche Reisegruppe, bestehend aus Deutschen und Sudanesinnen, auf den Weg.
Auch wenn 11 Stunden ziemlich ätzend klingt, die Reise lohnt sich. Und getreu dem Motto “Der Weg ist das Ziel” hat auch der Weg nach Port Sudan einiges zu bieten – Trockensavanne, Berge, ewige Weite in der Wüste und nicht zuletzt natürlich die Küste. Abgesehen davon bin ich sowieso davon überzeugt dass lange Busfahrten großartig sind! Gerade bei diesem Gehetze heutzutage, ist es doch entspannt einfach mal 11 Stunden an einen Platz gefesselt zu sein, vielleicht mit einem netten Freund dabei, einem Buch, natürlich Unmengen von Keksen und sich selbst. Und dann kann man einfach mal die Gedanken schweifen lassen, interessante Gespräche führen, über Gott und die Welt nachdenken und hin und wieder mit steifem Nacken aufwachen. So ungefähr lief es dann auch ab, sodass wir Port Sudan müde, aber glücklich erreichten!
Unser Wochendtrip fühlt sich im Rückblick wie eine ganze Woche an. Mein erster Gedanke, angekommen am Hafen, war: Hamburg. Mit den riesigen, mit Waren aus aller Welt beladenen Containerschiffen, den unzähligen Krähnen und der Promenade, die zum Spazieren und Kaffee trinken einlädt, hatte es irgendwie den Hamburg-Charme. Leider musste das lang ersehnte frische Nass noch etwas auf uns warten, da erstens ein Hafen nicht gerade zum Baden einlädt und zweitens das Thema ‘Baden/Schwimmen’ im islamisch geprägten Sudan eine etwas knifflige Angelegenheit ist. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. So mieteten wir ein Boot und los ging es. Weit draußen wurden dann die Burkinis angezogen und rein ins Wasser! Nein, Scherz, der normale Bikini durfte nach monatelanger Dunkelheit in den Tiefen meines Rucksacks das Licht erblicken. Ich musste die anderen erstmal vorwarnen, ihre Sonnenbrillen aufzusetzen, um nicht von meiner weißen nackten Haut geblendet zu werden, die sorgfältig in den letzten 4 Monaten von der Öffentlichkeit und der Sonne ferngehalten wurde. Dementsprechend, und weil ich nach meinem letzten Schnorchel-Erlebnis in Thailand ein kleinen Sonnenbrand-Trauma habe, wurde erstmal schön Lichtschutzfaktor 50 aufgetragen. Dann konnte endlich mit Taucherbrille und Schnorchel die Unterwasserlandschaft vor Port Sudan erkundet werden. Juhu! Drei Monate später sollte ich hier noch einmal landen, mit Marwin und Esther. Dieses Mal sollte mir der Atem wegbleiben. Wir waren dann wieder draußen schnorcheln, aber an einer etwas anderen Stelle: ATEMBERAUBEND! Wir schnorchelten direkt an dem Punkt, wo das Riff endet und der mit Korallen bedeckte Wasseruntergrund 30 Meter oder mehr in die Tiefe fällt. An dieser Kante tummelten sich hunderte bunte Fische und schöne von der Sonne angeleuchtete Korallen. Ich bin nicht die krasseste Expertin, aber definitiv weiß ich: das war bisher das schönste Unterwassererlebnis meines Lebens!
Nächstes Highlight sollte der Leuchtturm sein. So ging es mit einer Fähre Richtung Meer. Trotz Anti-Brech-Tabletten, die unsere Kollegin vorher vorsorglich an alle verteilt hat, gab es schon das ein oder andere mulmige Gefühl im Magen. Aber nach 45 Minuten Fahrt war das schon wieder komplett vergessen, als wir die Platform mit dem Leuchtturm erblicken, die im Zentrum eines riesigen Korallenriffes gebaut wurde. Trotz 35 Grad konnten wir diesmal leider nicht ins Wasser springen, da zu viele männliche Sudanesen ringsherum anwesend waren. Dennoch genossen wir den Aufenthalt sehr und kehrten alle mit einem riesen fetten Sonnenbrand zurück 😀
Anschließend stopften wir uns den Magen voll mit leckeren, frischen Meeresfrüchten, allen voran Garnelen und ich habe sehr dunkle Erinnerungen an eine kleine sehr wahrscheinlich illegale Fahrt mit einem Tretboot bei Nacht an einem privaten Strand (aber psst! Niemandem verraten).
So schnell es kam, ging es auch wieder. Unser langes Wochenende neigte sich dem Ende. Nachdem wir nochmal bei Mondschein an einem einsamen Strand spazierten und zu Abend aßen, ging es am nächsten Tag schon wieder zurück nach Lovely Gedaref. Die 11 Stunden Fahrt vergingen schneller als gedacht, mit schönen Landschaftswechseln und netten Sitznachbarn.













