Januar 2018
Liebevoll wird meine kurzzeitige Heimat unter uns KollegInnen als “Lovely Gedaref” bezeichnet.
Einige KollegInnen hören sich die Bezeichnung mit einem Schmunzeln an, da sie noch nicht wirklich davon überzeugt sind, ich hingegen bin seit dem ersten Tag Fan von diesem kleinen Städtchen. Jedoch spätestens seit diesem Wochenende sind sicher alle überzeugt von der Schönheit, die ein afrikanisches Städtchen mit wenig Entertainment haben kann. Gemeinschaft nämlich! Wenn man sich nicht in Bars oder Cafés treffen kann und dank regelmäßigen Strom- und iInternetausfällen abends nicht am Handy, Laptop oder vor dem Fernseher hängt, was macht man dann um nicht vor Langeweile zu sterben – ja genau, man trifft sich zu Hause, in einem Park (Ja Gedaref hat einen Park, wir waren selbst überrascht!), unterhält sich über Gott und die Welt, kocht zusammen, geht spazieren und kommt in Kontakt mit den Locals. An diesem Wochenende zum Beispiel haben wir in unserem kleinen Garten ein kleines sudanesisches Barbecue veranstaltet und alle Kollegen eingeladen, vom Fahrer über die Putzfrau bis hin zu den Teamleitern. Sprachlich gibt es noch diverse Schwierigkeiten zu kommunizieren, aber das ist unwichtig. Musik, gutes Essen und fröhliche Leute reichen aus, damit jeder den Abend genießen kann. Mein persönliches Highlight war eine Life-Tanzeinlage zweier äthiopischer Kollegen. Der traditionelle äthiopische Tanz sieht aus wie ein Hahnenkampf – viel Schulterzucken, ein langer Hals und witzige Laute zu rhythmischer Musik. Zum Tränen-lachen! Am nächsten Abend durften wir sogar noch mehr in die äthiopische Kultur eintauchen – die Herren haben für uns gekocht. Und schon wieder haben sich alle aufgemacht, in die Rickshaw gesetzt und sich alle bei Ihnen zu Hause zusammen gefunden.
Außerdem der Kontakt zu den Einheimischen! In Khartoum beispielsweise ist man schnell in der Expat-Community ‘gefangen’. Expats sind quasi alle Ausländer, die für einen bestimmten Zeitraum in einem Land arbeiten. Schnell bilden sich Netzwerke, man besucht die selben ‘schicken’ Cafés und geht zu den selben Partys mit den selben Leuten. Versteht mich nicht falsch, meine Zeit in Khartoum habe ich sehr genossen und wunderbare Leute aus aller Welt kennengelernt. Dennoch kann es schnell in solchen Kreisen oberflächlich werden und ich finde es schade, wenn man nicht auch mal mit den Einheimischen in Kontakt kommt und das Land und die Kultur am eigenen Leib erlebt. Das fällt hier in Gedaref leichter. Die Menschen sind neugierig, hilfsbereit und gastfreundlich, und wenn man sich nicht das ganze Wochenende in seinem Zimmer versteckt und drei, vier Vokabeln Arabisch spricht, findet man schnell Anschluss! Unsere jugendlichen Freunde aus dem Park treffen wir weiterhin regelmäßig, die sudanesischen KollegInnen werden bei allen Aktivitäten eingebunden und sogar eine Busbekanntschaft (von vor 2 Monaten) habe ich diese Woche in ihrer Schule (sie ist Lehrerin) besucht. So wird auch mein Arabisch allmählich besser, obwohl es da noch viel Luft nach oben gibt.
Um noch ein bisschen mehr Werbung für lovely Gedaref zu machen – die kleine Stadt hat außerdem den Vorteil, dass man sich schnellstens zurecht findet. Mit meinem Mofa kenne ich nun mittlerweile die Schlaglöcher, Einbahnstraßen und Abkürzungen auswendig, der Markt ist zentral und leicht zu finden, um den Markt herum gibt es eigentlich alles was man so braucht und die Ausläuferstraßen in alle Himmelsrichtungen bringen einen zu weiteren Häusern, Hütten, Shops, Eselkarren, kleineren Märkten und noch mehr Schlaglöchern. Die eben erwähnten Eselkarren (und auch Pferde) machen das Stadtbild noch etwas besonderer. Vor allem viele weiße Esel sind hier eine Besonderheit. Die Esel werden zum Lastentransport verwendet.
Wie man liest und hört, habe ich mich hier schon ganz gut eingelebt und ich kann es kaum glauben, dass schon wieder fast Halbzeit ist von meiner Zeit hier im Sudan.









