Ghana – Mein zweites zu Hause

Juli 2018

Nach 8 Monaten Ostafrika kam ich um einen “Schlenker” nach Westafrika nicht drumherum, bis es wieder nach Berlin ging. Der Schlenker kostete mich knapp 5000km und 600€, aber das war es wert.

Meine Flugroute war etwas mühseelig, aber habe geschlafen wie ein Baby in den meisten Flügen. Kenya Airways hat sich dieses Mal nicht von seiner besten Seite gezeigt und ich war gefühlt mit den ältesten Maschinen unterwegs, die sie besitzen, ohne Decke, ohne Kissen, ohne coole Filme, die man schauen kann. Aber gut, auch schon wieder Luxusprobleme. In Accra angekommen hatte ich 4 ToDos, bevor Maria aus Deutschland am Flughafen ankommt: Hotel finden, SIM Karte besorgen, Geld abheben und ein Busticket nach Tamale für den nächsten Tag kaufen. Ich hatte extra ein Hotel gebucht, was „direkt neben dem Flughafen“ liegt, damit das ganze Hin und Her fahren einfacher ist. „Direkt neben dem Flughafen“ weitete sich dann auf 25 Minuten Fahrt aus, allerdings waren die chinesischen Hotelbesitzer sehr freundlich und holten nicht nur mich, sondern auch Maria später vom Flughafen ab. Da wir gefühlt seit 2 Jahren die einzigen Gäste waren, haben sie sich liebevoll um uns gekümmert. Maria am Flughafen zu begrüßen, war sehr surreal. Seit 8 Monaten hatte wir uns nicht gesehen, aber doch war es wie immer und man merkte uns beiden die lange Reise an, sodass wir recht schnell ins Bett fielen an diesem Abend. Am nächsten Tag sollte es 9 Uhr mit dem Bus Richtung Tamale gehen. Ich hatte schon damit gerechnet, dass es natürlich nicht 9 Uhr pünktlich losgehen sollte, als wir allerdings 13 Uhr den Busbahnhof verließen, war ich dann doch mal wieder vom ghanaischen Zeitempfinden überrascht.

Na dann auf nach Tamale! Der Regen, der draußen in Strömen fiel, schaffte eine recht kuschelige Atmosphäre im Bus, die allerdings sofort zerstört wurde durch die Lautsprecher, aus denen dröhnend laut eine ghanaische Soap nach der anderen mit dazugehörigen Bildschirm ganz vorne im Bus abspielte. Dieses „dezente“ Hintergrundgeräusch verfolgte uns von 13 Uhr am Sonntag bis 2 Uhr morgens am Montag. Während dieser Busfahrt machte ich kaum ein Auge zu und realisierte erst so richtig, dass ich gerade auf dem Weg in Waisenhaus bin. Das letzte Mal war ich im Dezember 2015 mit meinen Eltern und einer guten Freunden dort, also schon wieder 2,5 Jahre her. Wie die Zeit vergeht. Die Vorfreude stieg!

Nachdem uns Silas und Gideon vom Busbahnhof mitten in der Nacht abholten, fuhren wir den für mich vertrauten Weg ins Waisenhaus. Es fühlte sich an wie nach Hause kommen, wie bisher jedes Mal, wenn ich die Kinder in Ghana besuchte. Ich erkannte die Straßen, die Werbeplakate, einige Gebäude und Straßenstände wieder. Es war 3 Uhr als wir im Bett waren und waren beide so aufgedreht, dass wir nicht wirklich schlafen konnten. Montag war ein Feiertag, so hatten wir Glück, dass alle Kinder zu Hause waren, als wir aufstanden. Zunächst eher zögerlich begrüßten uns die Kids. Vor allem die kleinen Jungs, die mittlerweile natürlich nicht mehr so klein sind, waren „super cool“ und wollten keine Umarmung. Die Zurückhaltung war allerdings nach ein paar Stunden aufgehoben und seitdem nehmen uns die Kinder jeden Tag vollkommen ein. Es wird Fußball gespielt, gelesen, gemalt, Springseil gesprungen, Film geguckt, gekuschelt und erzählt. Da das Waisenhaus mit 16 Kindern laufen muss, hat natürlich auch jeder seine häuslichen Aufgaben. Um zu unterstützen, sind Maria und ich dann natürlich auch eingespannt beim Kochen, Wäsche waschen, Tiere bewirtschaften, Samen sähen, Fahrräder reparieren, Wasser holen usw. Das Waisenhaus ist jedes Mal anders, wenn ich wieder hier bin. Dieses Mal fällt mir eines am meisten auf: Vergrößerung der eigenen Bewirtschaftung. Es gibt viele Hühner, 3 Schafe, Perlhühner, Gänse und Truthähne. Außerdem ein Maisfeld und 3 Reisfelder. Das ist großartig, da man so auch einige Produkte aus dem eigenen Anbau bekommt, jeden Tag frische Eier hat, ab und an mal ein Huhn schlachten kann und dabei natürlich auch Kosten spart, weil man nicht alles in der Stadt kaufen muss. Gleichzeitig hat man natürlich auch ein bisschen mehr zutun, aber da die Kinder mittlerweile alle größer sind, helfen natürlich alle mit. Auch Maria und ich lernen, wie man Reissamen säht, schauen zu wie man Hühner schlachtet und gehen auf Eiersuche. Außerdem ist es Silas, dem Gründer und Papa des Waisenhauses, ein Anliegen, den Kindern beizubringen, wie man sich selbst versorgen kann, damit sie später auch davon profitieren können.

Wer jetzt verwirrt ist, was es mit der ganzen Waienhaus-Geschichte auf sich hat, kann sich mal hier umschauen: http://www.waisenhaus-tamale.de. 2009 lebte und arbeitete ich in Ghana das Erste mal, 2010 gründete ich mit Freundin und meinen Eltern den Verein Waisenhaus Tamale e.V., mit dem wir seither schon viele Projekte mit realisiert haben, die Kindern und Jugendlichen zu Gute kommt.

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