März 2018
“Es ist grün, alle sind nackt und trinken Alkohol.”
Das waren die ersten Gedanken, die mir, angekommen in Zambia, durch den Kopf schossen. Sicherlich vor allem dadurch, da dies die größten Unterschiede zu meinem aktuellen Wohnort im Sudan darstellten.
Bis zu meiner Ankunft in Zambia bestand mein Wissen über dieses Land aus folgenden Stichworten: Lusaka ist die Hauptstadt, Zambia gehört zum südlichen Afrika und ist bekannt für die Viktoria Wasserfälle. Das ist weniger als mir mein Kumpel Timme, meine wichtigste Geographie-Quelle aus Deutschland, über Zambia sagen konnte. Aber ich mag es eh lieber, überrascht zu werden und nicht zu wissen was mich erwartet.
Der erste schöne Moment begann sogar schon vor Lusaka, nämlich in Nairobi als ich Jocelyne am Flughafen in die Arme schließen konnte, die ich seit 5 Monaten nicht gesehen hatte und mit der ich nun die nächsten zwei Wochen verbringen würde. Mach dieser Reise sollten wir noch mehr verbunden sein! Gemeinsam flogen wir also weiter nach Lusaka, wobei wir während des kurzen Fluges bereits alle Neuigkeiten-, Peinlich- und Schwierigkeiten der vergangenen Monate austauschten und aus dem Redefluss gar nicht mehr herauskamen. In Lusaka am Flughafen begrüßte uns Gita, eine enge Freundin von Jocelyne, die seit Dezember in Lusaka lebt und eine großartige, Zambia-Liebende Gastgeberin ist/war. Wir saßen zu dritt oft stundenlang bis in die Nacht am
Küchentisch bei Wein, Bier, Frühstück oder Abendessen und philosophierten über Gott und die Welt. Schon alleine diese ganzen Gedanken und Gespräche könnten einen ganzen Blog füllen.
“Was wollt ihr eigentlich in Zambia machen?”, fragte sie uns. Jocelyne und ich waren uns einig: ihr Leben vor Ort kennenlernen, ein oder zwei Road Trips durch Zambia, genießen anstatt abhetzen, Kunst und Kultur Zambias, typisches Essen essen und die berühmten Viktoria Wasserfälle. Ich fügte noch hinzu: “Weißwein trinken und nackt sein.” Mit nackt sein war natürlich gemeint, die Kleidung anziehen zu können, die man bei 30 Grad nun mal trägt und nicht darauf zu achten müssen, ob Ellenbogen, Knie oder zu viel Rücken sichtbar sind. Obwohl es im Sudan selbst gar nicht so schlimm für mich ist, mich entsprechend zu kleiden und größtenteils auf Alkohol zu verzichten, merkt man meist erst, wenn man mal wieder erlebt, wie es auch anders sein kann, wir sehr man es eigentlich vermisst hat. Nun gut. Gesagt, getan. Die ersten Tage verbrachten wir also mit ausschlafen, Spaziergängen, Kunst-Galerien, Kino, Clubs und Restaurantbesuchen und dem einen oder anderen Drink 😉
Unserem ersten Roadtrip widme ich einen separaten Blogartikel. Ihr werdet lesen, warum 🙂
Unser zweiter Roadtrip führte uns nach Livingstone zu den Viktoria Wasserfällen. Mit mehr als 800 Meter Länge gelten diese Wasserfälle als die Größten weltweit und dank der Regenzeit preschte das Wasser nur so hinunter in die Schlucht aus ich habe keine Ahnung wie vielen 100 Metern, vermutlich sogar über 1000. Rund herum zauberten Regenbögen, Nebel, riesige Schluchten und ein Regenwald wie aus dem Bilderbuch eine wunderschöne Kulisse. Entgegen unserer Hoffnung konnte man nicht wirklich viel in der Gegend wandern, sondern es gab extra für Touristen geteerte und beschilderte Wege. Dennoch hatten wir so die Möglichkeit, die Wasserfälle von allen Seiten und Perspektiven zu betrachten. Obwohl wir Nichts (!) sehen konnten, weil der Regen zu stark war, fand ich den Weg gegenüber der Wasserfälle am beeindruckendsten. Wahrscheinlich auch gerade, Weil wir nichts sehen konnten. Der Regen kam nämlich nicht vom Himmel, sondern von der aufsteigenden Gicht (heißt das bei einem Wasserfall so?) die durch die Kraft des Wasserfalles erzeugt wurde. Von dieser Seite konnte man auch den zweiten Teil des Wasserfalls sehen, der sich in Simbabwe befindet. Dort befindet sich nämlich die Grenze und diese beiden Länder teilen sich das Naturwunder und nehmen somit beide damit Geld durch Touristen ein und werden auch beide durch Wasserenergie versorgt. Diese Power muss man natürlich nutzen. Leider muss ich später lesen, dass die Viktoriafälle (zum Namen kommen ich gleich) immer längere Trockenphasen haben. Früher noch nur einige Wochen, ist heute der größte Wasserfall der Welt für mehrere Monate fast trocken. Klimawandel sei die Ursache. Hier habe ich mal einen Link herausgesucht, der darüber berichtet und ein beeindruckendes und lehrreiches Video dazu zeigt. https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_86978898/victoria-falls-wie-schlimm-steht-es-um-die-victoriafaelle-.html
Nun zum Namen. Auch allgegenwertig rundum die Viktoriafälle ist der Missionar Livingstone. Dieser hat, wie man dort vielerorts lesen kann, “die Viktoriafälle entdeckt” und deshalb ist auch die Stadt nach ihm benannt. Natürlich hat Mister Lebensstein die Wasserfälle nicht als Erster entdeckt, schließlich war dieser Herr Missionar nicht der erste lebende Mensch, dort lebten natürlich Einheimische, bevor er Mitte des 18. Jahrehunderts dort hinspazierte. Aber, wie es so viele Missionare und Entdecker und Eroberer und wie sie nicht alle heißen, gerne in die Geschichtsbücher schaffen, hat auch Herr Lebensstein während der Kolonialisierung die Macht der Europäer genutzt, die Wasserfälle nach der Königin Viktoria benannt (hach, muss sie sich geehrt gefühlt haben) und zu Hause damit geprahlt, riesige Wasserfälle “entdeckt” zu haben. Das ist die zweite, sicherlich von vielen Touristenführern nicht genauso erzählte Geschichte, die ich von den Viktoriafällen im Kopf behalten habe. 🙂
Zurück in Lusaka war noch ein bisschen Sport und Stadterkundung angesagt – so radelten wir durch die entspannteste Hauptstadt, die mir in Afrika und Asien bisher über den Weg gelaufen ist, und trödelten durch die Straßen und Märkte. Ein schöner Abschluss einer tollen Reise, die vor allem durch Abenteuer, gute Gespräche und das ein oder andere Glas Wein geprägt war.
Foto-Note: Das letzte Bild unten, die extrem gute Tierfotografie, stammt von der lieben Jocelyne. Meiner wunderbaren Reisekameradin.









