Wasser marsch!

Dezember 2017

Oder auch nicht! Obwohl quer durch den Sudan der längste Fluss der Erde fließt, der Nil, gibt es vielerorts Wasserengpässe. So auch bei uns. Aber unser Vermieter hat mit einem ausgeklügelten Plan vorgesorgt. Der geht ungefähr so:

Drei Tanks auf dem Dach. Wenn Wasser kommt, schließe Leitung 1, öffne Leitung 2, stelle die Pumpe an, warte zwei Stunden, schließe Leitung 2, öffne Leitung 3, warte zwei Stunden, schließe Leitung 3, öffne Leitung 1, öffne Hahn 1, stecke Schlauch in Öffnung x und freue dich, dass Wasser gekommen ist – nach 3 Tagen – falle ins Bett, schaue auf die Uhr und realisiere, dass du in 4h zur Arbeit musst. Allerdings MIT der Möglichkeit zu duschen: Juhu! Dadurch können die Tage überbrückt werden, in denen kein Wasser aus den Leitungen kommt.

Ihr habt es euch nicht alles gemerkt? KEIN Problem! Wenn mal ein Fehler passiert (wie mir), nicht schlimm, dann einfach ein paar Tage warten, im Büro duschen, Wasser zum Spülen eimerweise über den Hof schleppen und jeden Abend hoffen, dass das Wasser kommt! Ihr werdet diesen Vorgang danach garantiert nie wieder vergessen 😀

Wasservorgang Numero 2 ist weniger komplex, deshalb nicht weniger nervig – Trinkwasser. Dieser Prozess ist auf obigem Bild dargestellt. Man kaufe einen Wasserkanister (sauschwer!) und fülle das Wasser jeweils in den Behälter mit der nächstgrößeren Öffnung. Am Ende angelangt, benutze man das Wasser zum Kochen, Trinken, Obst und Gemüse abwaschen und Zähne putzen und fange wieder von vorne an.

Und wenn das alles nicht hilft, sagt man der Kollegin auf dem Weg zur Arbeit Bescheid, sie solle doch einen Esel-Jungen auf der Straße Bescheid sagen, dass die “komischen neuen Nachbarn” Wasser brauchen. Eine Adresse oder Beschreibung unseres Wohnortes ist nicht nötig, wir sind die einzige Sudanesinnen-Deutsche-Simbabwin-Frauen-WG in Gedaref 😉 Der Junge mit dem Esel kommt und dann werden die Wasserkanister aufs Dach gebracht, die Küche geschleppt und die Jungs steigen zufrieden mit ihrem Tagesgeschäft auf den Eselkarren auf und fahren davon.

Es klingt immer sehr abgedroschen, das zu sagen, aber leider ist es wahr. Man weiß die alltäglichen Dinge erst zu schätzen, wenn man sie nicht mehr hat. Sich um Wasser so sorgen zu müssen und zu merken, wie sehr man davon abhängig ist, lässt den Wert erheblich steigen. Und leider ist dies wohl eher die Realität auf der Welt als meine heile Welt in Deutschland.

PS: Ja! das ecklige Badezimmer da oben war unser Bad als wir in unsere Kolleginnen-WG eingezogen sind…

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