wie gemalte Berge …

Dezember 2017

‘Kassala, Kassala, da musst du unbedingt hin!’

… sagt hier jeder! Gesagt, getan. Im Rahmen einer Dienstreise (klug eingefädelt ;-)) sitze ich im Auto mit ein paar Kollegen auf dem Weg nach Kassala. Die zuvor als schlechteste Straße überhaupt angepriesene Straße ist völlig in Ordnung, etwas holprig, aber geteert und sogar mit Mittelstreifen. Was will man mehr!

Und ist Kassala nun ‘the place to be’? Kassala hat definitiv Charme, wegen der Berge, wegen der sehr fruchtbaren Böden und saftigen Orangen und wegen des Flusses, der hindurch fließt. Huch, welcher Fluss? Aktuell leider ein trockenes Flussbett, welches zur Regenzeit die ganze Region zum ergrünen bringen wird, lasse ich mir sagen. Die Berge sind beeindruckend! Aus weitreichenden flachem Land ragen 4 oder 5 ‘Zähne’ aus dem Boden und bilden den Rahmen der Stadt Kassala von einer Seite. Auf der Rückseite der Berge befindet sich bereits Eritrea. Die Grenzgebiete werden allerdings durch Militär bewacht und sind nicht mal so einfach für Leute wie uns zu besichtigen oder gar zu überqueren.

Wie bekloppte Ausländer eben so sind, beschließen wir kurz vor der Mittagshitze den Berg zu besteigen, oder eher bewandern. Aber wir sind gut ausgerüstet mit Wasser, Mützen und Obst und schaffen es tatsächlich ein ganzes Stück nach oben. Die Belohnung ist der Ausblick! Eine weitere Belohnung hätte die weite Stille sein können. Allerdings haben wir dabei nicht den Schall bedacht, der den Freitagsmuezin-Gesang durch die Berge hallen lässt, als würde er direkt neben dir stehen. Am Fuße des Berges angekommen, trinken wir anschließend Kaffee sudanesischer Art (mit Ingwer und 10 Teelöffel Zucker) und besuchen noch die Ruinen einer sehr alten Moschee. Das Besondere an der Moschee ist zwei Mythen. Der erste besagt, dass einiges des Materials aus Mekka stammt. Der zweite Mythos handelt von der Kuppel, die oben offen ist. Sie wurde nicht fertig gebaut, allerdings soll es innen trocken bleiben, auch wenn es reget. Ich verrate jetzt mal so viel – diese Geschichte wird einem erzählt, während man vor dieser Kuppel steht, deren Tür verschlossen ist. Man kann also nicht nachsehen 😀

Am nächsten Tag, als wir um die Mittagszeit draußen sind, fragen wir uns, wie es physikalisch möglich gewesen sein konnte, bei dieser Hitze auch nur einen Meter den Berg hoch zuwandern. Aber irgendwie müssen wir es geschafft haben und es hat sich definitiv gelohnt. Am nächsten Morgen stoßen wir, während der Nahrungssuche, auf ein kleines Bistro. Wir erblicken Frauen drin sitzen und freuen uns, endlich einen Ort gefunden zu haben, wo nicht ausschließlich Männer trinken, speisen und relaxen. Und nicht nur das, ich freue mich als ich die erste Frau in Kassala überhaupt erblicke, die in der Öffentlichkeit arbeitet! Die ältere Dame hat quasi ein kleines Restaurant-Business. Wir verspeisen bei ihr typisch sudanesisches Frühstück (Nicht mein Ding!) und ich esse zum ersten Mal seit langem wieder etwas wie Fufu. Fufu ist das Nationalgericht in Ghana und ich hasse es, um es milde auszudrücken. Es besteht aus einem schleimigen Brei aus Kartoffel-ähnlichem Gemüse und einer schleimigen, süßen Soße dazu. Naja, da die Alternative Schleim mit Ziegenfleisch ist, muss es wohl sein. Wir essen und verabschieden uns. Vor der Rückreise kaufe ich noch ein Kilo der berühmten Kassala-Orangen und ab geht es holprige 2 Stunden zurück nach Gedaref.

Ich sollte Kassala noch ein zweites und drittes Mal bereisen. Auf das Zweite möchte ich nicht näher eingehen – da gab es nur Apotheken und Ärzte von innen zu sehen. Aber der dritte Kassala-Besuch war etwas ganz Besonderes. Sowieso besonders, weil ich Esther und Marw im Schlepptau hatte. Aber auch, weil uns bei unserem Aufstieg in die gemalten Berge ein anderes schönes Naturschauspiel begegnete: ein Sandsturm. Gegen 5 Uhr morgens diesmal (ha, wir sind ja lernfähig!) spazierten wir zum Fuße der Berge, kletterten und wanderten ein bisschen herum, begegneten ein paar nicht so netten Affen, kletterten und wanderten auf die andere Seite und genossen den Ausblick. Der Himmer war klar, die Luft frisch, angenehmte 30 Grad und wir saßen im Schatten. Da störte unsere klare Sicht am Horizont etwas Dunst. Wir dachten uns nichts dabei, machten noch hundert Fotos (mindestens 100 bestimmt :)), schauten uns noch die Moschee an und spazierten langsam zurück zum Hostel. Die Straßen waren auffällig leer gefegt und es windete. Ehe wir uns gesehen konnten, lag über der ganzen Stadt, rings um uns herum ein sand-farbener Schleier, es zog durch die Straßen und feine Sandkügelchen schossen durch die Luft. Den Schleiern sei dank, hatten wir direkt etwas, um Mund, Nase und Augen zu bedecken. Die Kassalaner beäugten uns verwundert, da wir trotz den “schlechten Wetters” in den Straßen umher liefen und mit unseren Kameras das schöne Farb- und Naturschauspiel versuchten einzufangen.

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