December 2017
The bright side of Africa, die ich so liebe und wie ich es meinen sonstigen Beiträgen beschreibe, hat auch seine Schattenseiten.
Die Realität in vielen Ländern sind verunreinigtes Wasser, Krankheitserreger wo das Auge hinschaut, geringe Hygienestandards, unzureichende Ärzte und schlechte Ausstattung in Krankenhäusern. Der Realität muss man ins Auge blicken, wenn man selbst betroffen ist. Das Positive: rührend kümmernde und hilfsbereite Menschen, die einem das Gefühl geben, es wird alles gut! Aber nun von vorne.
Nach Übelkeit und Erbrechen dachte ich, es wären wieder die Nebenwirkungen meiner Malaria Prophylaxe. Nachdem Fieber und Durchfall hinzu kamen, entschieden meine Kolleginnen, mich ins Krankenhaus zu bringen. Besser gesagt: sie zwangen mich dazu, da ich immer noch der Meinung war, es würde sich von selbst ergeben und ich müsste nur weiter Bettruhe halten und zwischen Toilette und Zimmer hin und herkrauchen. Nach etwas Wartezeit und einem mittlerweile 5 Personen starken Fanclub meiner KollegInnen, die nach und nach eintrudelten, sprach ich beim Arzt vor. Mit seiner Brille und seiner stattlichen Erscheinung schien er vertrauensvoll. Nachdem ich allerdings vor mir auf dem Tisch eine kleine Assel entlang spazieren sah, wusste ich wieder: ich bin wohl doch nicht in einer Privatklinik. Blut- und Stuhltest bestätigten: “no Malaria, but dysentery”. Alle atmen auf und sind erleichtert, ich soll eine Infusion bekommen und Antibiotika. Während der Infusion google ich was “dysentery” ist – Ruhr. What? Warum atmen alle auf? Ruhr ist nicht gerade der 6er im Lotto. Ich erkläre den KollegInnen, dass diese Krankheit in Deutschland schon seit Ewigkeiten ausgestorben ist. Sie winken beruhigt ab und sagen, hier wäre das recht gängig und ich komme bald wieder auf die Beine. Haha na dann..
Die folgende Nacht speichere ich als die Top 5 schlimmsten Nächte in meinem Leben ab (bis jetzt :D) – nach 10h langem regelmäßigen Ortswechsel zwischen Bett und Toilette, Fieber und null Schlaf, tritt endlich Besserung ein. Das Schlimmste ist überwunden.
Die Moral von der Geschicht: Werde nicht krank, denn es ist scheiße!
Nachtrag aus April 2020: Seit sich Corona sehr schnell weltweit verbreitet, denke auch ich stärker über Gesundheit nach. Genauso wie ich mich so gut es ging vor Ruhr geschützt habe (kein Wasser zu trinken, was nicht aus einer eingeschweißten Flasche ist), schütze ich mich vor Corona (Hände regelmäßig waschen, Hygiene und Immunsystem erhöhen). Ich lasse es allerdings nicht zu meinem Lebensinhalt werden, sondern versuche eher diese kleinen Maßnahmen in den Alltag zu integrieren. Niemand ist gewahrt vor Krankheiten. Krankheiten sind individuell. Bei einigen bricht es stark aus, andere merken kaum etwas. Krankheiten gehören zum Leben dazu. Krankheiten sind normal. Jeder hat ständig irgendwas. Fast jede Person, die ich kenne, hat früher oder später mit irgendeiner langfristigen Krankheit zu kämpfen. Und genau deshalb macht es gar keinen Sinn, sich jeden Tag darüber den Kopf zu zerbrechen. So wie ich automatisch Müll trenne, regelmäßig Obst esse und Wasser trinke, ein Kondom beim Sex benutze, mir etwas anziehe, wenn mir kalt ist, so schütze ich mich gegen potentielle oder risikoreiche Krankheiten, ganz normal, jeden Tag, nebenbei. Und wenn etwas passiert, so kann ich mich in Deutschland sehr glücklich schätzen, dass ich jederzeit mit jedem Wehwehchen eine Ärztin aufsuchen kann und mir versucht wird, zu helfen. Wenn einem nicht oder noch nicht geholfen werden kann, so wird zumindest versucht, einem es so angenehm wie möglich zu machen. Leben ist hier sehr viel Wert. Das ist schön. Das gibt Sicherheit. Ich hoffe, das wird auch nach und nach in vielen anderen Ländern fokussiert und auf die politische Agenda geschrieben.
In dem Sinne: bleibt gesund, trinkt genug, schlaft viel und lacht jeden Tag.
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